Am Anfang eines Jahres erwarten die Leute immer Großes. Von sich, von anderen – ganz egal: Hauptsache: Groß. Zum Jahresbeginn müssen das dann auch gleich Paradigmenerschütternde Fortschritte sein. Joggen oder so. Oder, mit dem Rauchen aufhören. Jedem ist natürlich klar, dass man mit vielen kleinen Schritten mindestens genauso weit, wenn nicht weiter kommt.
Die Kunst besteht also darin, nicht nur kleine Schritte zu gehen, sondern, beim kleine-Schritte-gehen der Größte zu sein. Also, die größten kleinen Schritte zu machen, quasi. So wie Willard Wigan. Der mag es allerdings noch etwas subtiler kleiner. Also: viel kleiner. Dagegen sind gespaltene Kümmel riesig – und: kein Vergleich.

Willard Wigan
Willard Wigan ist Mikro Bildhauer. Nein, er bastelt keine Mikrofone aus Ton. Er schnitzt Skulpturen, die ungefähr ein Drittel so groß sind wie dieser Punkt –> .
Dafür sitzt er, der an einer Lernschwäche leidet und weder lesen noch schreiben kann, vor einem Mikroskop und … schnitzt Figuren und ganze Szenen aus dem Splitter eines Sandkorns (wahlweise: Goldstaub oder Staubkorn) und bemalt sie anschließend mit Fliegenhaaren. Dazu muss er zwischen seinen eigenen Herzschlägen arbeiten, da er mit seinem Herzrhythmus alles futsch macht. Alice im Wunderland hat er leider eingeatmet. Dumm gelaufen. Krasser Fall von Savant, wenn ihr mich fragt. Wie auch immer: Die Titanic samt Eisberg? Auf einem Stecknadelkopf. Und Schneewittchen passt mit allen Sieben Zwergen in ein Nadelöhr. Das letzte Abendmahl übrigens auch.
Apropos Abendmahl: Hab ein kleines Hüngerchen. Ich denke, ich werde ein Sonnenblumenkorn mit einem Raspel Käse belegen.
Dann muss ich morgen auch nicht so lang joggen.
„The World that we can’t see, exists.“
- Willard Wigan, Mikrokünstler.
Danke an Dejan für den Hinweis!





Unglaublich. Wo findest Du nur diese ganzen Sachen???
I inhaled Alice!